Hebammen weiter stärken!

Der Tag der Hebammen am 05. Mai ist ein Anlass für Jutta Niemann, vor Ort bei den Hebammen nachzufragen, wie für sie die aktuelle Situation ist, speziell natürlich auch durch Corona.

Es hat sich einiges getan, um die Arbeit der Hebammen zu unterstützen: Der runde Tisch Geburtshilfe vom Land Baden-Württemberg hat Maßnahmen beschlossen und fördert lokale Gesundheitszentren für Geburtshilfe. Die Akademisierung wird auf allen Ebenen umgesetzt.

Im Kreis haben Hebammen mit finanzieller Unterstützung des Kreistags eine Hebammen-zentrale aufgebaut, die Schwangere und Eltern zu vielen Fragen berät und bei der Hebammensuche unterstützt. So haben die Hebammen mehr Zeit für ihre eigentliche Arbeit, auch im Kreißsaal: Die Begleitung von Familien vor, während und nach der Geburt. Trotzdem gibt es weiterhin einen Mangel an Hebammen, immer noch finden nicht alle Frauen eine Hebamme für die Nachsorge oder für die gewünschte Hausgeburt.

Durch die Pandemie stehen auch die Hebammen vor besonderen Herausforderungen. Täglich müssen sie den Spagat zwischen Infektionsschutz und Nähe meistern:
Hausbesuche sollen reduziert, Geburtsvorbereitungskurse digital angeboten, Hygienemaßnahmen verstärkt werden. Außerdem müssen sie mit dem vermehrten Wunsch nach ambulanten Geburten und Hausgeburten umgehen.

Bezüglich der digitalen Betreuung sind sich die Hebammen einig: Die persönliche Nähe und fachkundige Betreuung kann über Medien nicht ersetzt werden. „Hebammen möchten Probleme durch gute Betreuung frühzeitig beheben, digital ist dies nicht immer möglich. Bis die Eltern selbst etwas bemerken, ist es manchmal schon zu spät“, so Jutta Niemann.
Auch finanziell bringt die aktuelle Situation für Hebammen besondere Schwierigkeiten mit sich. Wie auch bei anderen Gesundheitsberufen fallen Mehrkosten wegen Schutzausrüstung, Hygienemaßnahmen und Kursraummieten an. Einnahmen aus Kursen und weiteren Angeboten bleiben jedoch verstärkt aus. „Es ist gut, dass schnell reagiert wurde und die Vergütungen der Hebammenleistungen angepasst wurden und es Hinweise vom Sozialministerium gab, dass Väter bei der Geburt dabei sein dürfen.“

Jetzt muss nochmal nachjustiert werden für die weitere Zeit mit dem Virus: „Es muss geklärt werden, wie die notwendige Schutzausrüstung finanziert, wie der Aufwand für einen höheren Hygienestandart berücksichtigt wird, und wie über vermehrte Testung Sicherheit gegeben werden kann. Ziel ist es, dass die Hebammen möglichst viel direkten Kontakt haben können. Außerdem ist es wichtig zu wissen, wie wir Hausgeburten unterstützen können, da-mit das Recht der Frauen auf freie Wahl des Geburtsortes auch in der Realität gilt,“ so MdL Jutta Niemann.

In der Region wird deutlich, dass die durch Hebammen aufgebaute und vom Kreistag unterstützte Hebammenzentrale auch in der Krise eine ganz wichtige Funktion hat:
Werdende Eltern erhalten wichtige Informationen zur Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett in Zeiten von Corona. Auch Informationen für die Hebammen werden hier gebündelt und im Kreis weitergeleitet. „Es ist für die Schwangeren besonders wichtig, dass sie Ansprechpartnerinnen haben, vor allem beim ersten Kind ist alles neu und es gibt viele Fragen. Der Virus verunsichert zusätzlich. Da immer noch Hebammenmangel besteht und nicht alle Frauen eine Hebamme bekommen, ist es umso wichtiger, bei der Hebammenzentrale Hilfe zu erhalten“, so Jutta Niemann.
Der Kreistag hat den Start der Zentrale finanziert. Für die weitere Arbeit hoffen die Hebammen auch auf Sponsor*innen und Spenden, um weiter Beratung durch qualifizierte Hebammen anbieten zu können.
Informationen gibt es dazu unter: http://artpromedia.de/hebammenzentrale/sponsoring/
Unabhängig von Corona bleibt die Herausforderung, die Akademisierung, die von den Hebammen als wesentlich angesehen wird, weiter umzusetzen: Studiengänge aufbauen, Hebammenschulen integrieren, Möglichkeiten zur Weiterbildung neben der Berufstätigkeit schaffen. „Hier ist Baden-Württemberg auf einem guten Weg, so standen bereits letztes Jahr über 600 Studienplätze zu Verfügung. 2018 wurde mit dem bundesweit ersten primärqualifizierenden Studiengang Hebammenwissenschaft gestartet. Hier müssen wir dringend weitermachen und gute Konzepte gemeinsam mit den Universtäten, Hochschulen und den Hebammenschulen erarbeiten, um Theorie und Praxisausbildung gut miteinander zu verbinden“, so die Landtagsabgeordnete.

Jutta Niemann freut sich auf die weitere Zusammenarbeit:
„Die Herausforderungen der Hebammen sind auf jeden Fall weiter groß. Ich bin froh, dass wir so viele engagierte Hebammen haben, die sich um die Familien in dieser ganz besonderen Phase des Lebens kümmern. Ich werde mich weiter für eine Stärkung des Berufs der Hebammen einsetzen, er ist für uns alle unverzichtbar.“

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