Hebammen in Kommunen und Landkreisen unterstützen

Auch direkt vor Ort in den Kommunen und Landkreisen kann etwas getan werden, um Hebammen konkret zu unterstützen und ihre Arbeitssituation zu verbessern. Viele Kommunen haben hier schon eigene gute Projekte initiiert und eingeführt. Gute Beispiele und Anregungen dafür habe ich hier zusammengestellt. Manche der Projekte wurden bereits vor ein paar Jahren gestartet, es ist nicht bei allen klar, ob sie immer noch laufen. In jedem Fall bieten die aufgeführten Beispiele gute Anregungen für Unterstützungsprojekte für die lokalen Hebammen und die Geburtshilfe in anderen Kommunen und Landkreisen. Wenn Sie weitere vor Ort kennen, schicken Sie mir gern eine Information, dann nehme ich sie mit auf.

Gute Geburtshilfe ist unverzichtbar: Hebammen in Kommunen und Landkreisen unterstützen
Erste Schritte: Analyse der Situation
• Wie ist die Situation der Geburtshilfe vor Ort im Land- oder Stadtkreis? Ein Antrag im Kreistag oder im Stadtrat bringt das Thema ins Bewusstsein und macht deutlich, wo vor Ort Probleme liegen. Ein Beispiel für einen solchen Antrag gibt es hier.
• Die Situation der Hebammen und der Geburtshilfe im Landkreis in Absprache mit den Hebammen vor Ort und dem Hebammenverband als Thema bei der der regionalen Gesundheitskonferenz einbringen, falls es dort noch nicht Thema ist. Die einzelnen Gesundheitskonferenzen sind sehr unterschiedlich organisiert, grundsätzlich müsste das Thema aber überall über den Kreistag eingebracht werden können.

Hebammen und Geburtshilfe vor Ort konkret unterstützen: Beispiele
Finanzielle Unterstützung (Zuschüsse, Stipendien etc.):
Gründungszuschüsse: die Bundesländer Sachsen und Bayern unterstützen freiberufliche Hebammen mit einem Gründungszuschuss von 5.000 Euro, in anderer Größenordnung sind solche Zuschüsse auch kommunal denkbar: https://www.dhz-online.de/news/detail/artikel/gruendungszuschuss-fuer-hebammen/
Zuschüsse für außerklinische Geburten und/oder Wochenbettbetreuung, Bsp.:
o Stadt Stuttgart: freiwilliger Zuschuss von 100 Euro pro außerklinische Geburt (Stand 2015)
o Stadt Marburg: jede Hausgeburtshebamme bekommt seit Januar 2015 für vollendete Hausgeburt 200 Euro Versicherungszuschuss, eine vollendete Geburt im Geburtshaus oder in Praxen wird mit 100 Euro bezuschusst. Der Unterschied wurde beschlossen, weil für die Hausgeburt keine Betriebskostenpauschale abgerechnet werden kann (Stadt hat dafür 18.200 Euro im Jahr 2015 bis Juli 2016 bereitgestellt)
o Weil am Rhein (BW): 30 Euro Betreuungsgeld erhalten freiberufliche Hebammen pro Geburt https://www.weil-am-rhein.de/pb/,Lde_DE/-/865323/;vbid2236
o Stadt Dresden: Einmal pro Jahr können Geburtshelferinnen bei der Stadt ihre Arbeit abrechnen und einen Zuschuss bekommen, für die Betreuung im Wochenbett 30 Euro pro Frau, Zuschuss von 200 Euro pro Hausgeburt oder Beleggeburt, 100 Euro für eine Geburt im Geburtshaus; ggf. zur Verfügung stellen von kostenfreien Parkplätzen oder E-Bikes für Hausbesuche
o „Bayerischer Hebammenbonus“: Bonus in Höhe von 1.000 Euro pro Jahr für freiberufliche Hebammen, die im Jahr mindestens vier Geburten betreut haben (Land stellte 2018 rund vier Millionen Euro bereit)
o Lahr (ähnlich auch Ettenheim, Weil am Rhein): werdende Mütter mit Wohnsitz in Lahr können zweckgebundenes Betreuungsgeld von 30 Euro auf Gutscheinbasis bei Stadt beantragen, soll die permanente Rufbereitschaft in der Vor- und Nachsorge garantieren, die nicht von Kassen übernommen wird. Stadt Lahr stellt dafür von 2019-2021 jährlich 20.000 Euro zur Verfügung. (Badische Zeitung vom 04.01.2019)
o Karlsruhe: Stadt stellt ein Budget in den Haushalt ein, um die Begrüßungsgespräche durch Hebammen absolvieren zu lassen, diese erhalten für jedes abgehaltene Gespräch 50€ von der Stadt
Praxis-Zuschüsse: Mietzuschüsse für die örtlichen Hebammen-Praxen, Bsp. sind:
o Breisach: 500 Euro Mietzuschuss im Monat (Stand: 2014)
o Dettingen (BW): 2015 für ein Jahr befristet ein monatlicher Zuschuss von 400 Euro, leider musste die Praxis dennoch zwischenzeitlich schließen, weil nicht mehr ausreichend Hebammen vor Ort arbeiten konnten https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.dettingen-rettungsring-fuer-hebammen.bbaa7e84-7614-4529-8269-438a780cc5b4.html
Zuschüsse zu/Übernahme der Haftpflichtprämien:
o Landkreis Wittmund (Niedersachsen) übernimmt Kosten des Krankenhauses für Haftpflichtversicherung der Beleggynäkolog*innen und Beleghebammen http://harlinger.de/Nachrichten/artikelnr/21095
o Nordfriesland (Schleswig-Holstein) unterstützt Hebammen mit Hausgeburtshilfe bei Finanzierung ihrer Haftpflichtversicherung
o München: 2015 und 2016 bekamen je fünf Hausgeburts-Hebammen und Hebammen in Geburtshäusern die Hälfte ihrer Versicherungsbeiträge erstattet (finanziert über einen Zuschuss der Heidehof-Stiftung), der aktuelle Stand ist unklar; Landkreis Weilheim-Schongau (Bayern): Übernahme von 2.000 Euro der Haftpflichtprämie pro Hebamme im Landkreis (Stand 2015);
Stipendien für Aus- oder Weiterbildung:
o Hebammen-Stipendium im Kreis Freudenstadt: Förderung für Schüler*innen der Krankenhaus-Gesellschaft KLF: Berufseinsteiger*innen, die im Landkreis wohnen, und Krankenpfleger*innen der KLF, die sich neu orientieren, bekommen je nach Voraussetzung Zuschuss von 300 oder 1000 pro Monat für maximal drei Jahre; pro Jahr bekommen 2 Schüler*innen die Förderung; im Gegenzug verpflichten sich die Empfänger*innen, nach erfolgreich absolvierter Abschlussprüfung so lange im Landkreis als Hebamme tätig zu werden, wie sie das Stipendium bezogen: haben https://www.klf-web.de/stipendium-fuer-hebammen-entbindungspfleger.html
o Förderung für Auszubildende im Kreis Waldshut: 2018 für zwei, ab 2019 für vier angehende Hebammen: 400 Euro pro Auszubildender und Halbjahr für Fachliteratur, Fahrkosten; Geld jeweils bis zum Ende der Ausbildung: https://www.suedkurier.de/region/hochrhein/waldshut-tiengen/Engpass-in-der-Versorgung-Hebammen-erhalten-finanziellen-Zuschuss;art372623,9545635

Mehrstufige Unterstützungsprogramme von Kommunen:
Zollernalbkreis: Mehrstufiges Aktionsprogramm zur Unterstützung bei der Berufsausübung: Konzeption einer Hebammenhomepage mit Ampelsystem, um freie Kapazitäten für werdende Eltern darzustellen, Beteiligung an Fortbildungskosten für Hebammen; Begrüßung von neuen Hebammen mit Hebammentasche (Spenden von 15 Apotheken im Kreis), Organisation eines Tages zur Geräteeichung.
Leonberger Projekt gegen Hebammenmangel: Stadt hat Hebammen-Pool initiiert (Start: September 2016): in partnerschaftlichen Zusammenarbeit können interessierte Hebammen mit Sozialstation Leonberg einen Kooperationsvertrag eingehen, der ihnen Vorteile und Vergünstigungen ermöglicht. Das Angebot reicht von unentgeltlich zur Verfügung gestellten Räumlichkeiten bis hin zu Ressourcen aus den Bereichen Qualitätsmanagement, Kursorganisation und Kommunikation, Bereitstellen von günstigem Wohnraum (Einraumwohnungen) und die günstige Mit-Nutzung eines Fahrzeugs aus der eigenen Fahrzeugflotte. Möglichkeit zum Arbeitszeit-Sharing: durch partnerschaftliche Zusammenarbeit werden verbesserte Arbeitszeitmodelle geschaffen, bis zu 5 Hebammen können dabei im Pool ein gemeinsames Arbeitskonzept entwickeln. Leonberg stellt unentgeltlich Räumlichkeiten zur Verfügung, außerdem Ressourcen aus Bereichen Qualitätsmanagement, Kursorganisation, Kommunikation, Bereitstellen von günstigen Wohnraum und Mit-Nutzung eines Fahrzeuges, zudem Entlastung bei Finanzierung der Berufshaftpflicht http://www.hebammen-bw.de/wp-content/uploads/5.1_160614_HebPool_Leonberg_Flyer.pdf
Regensburg: Förderprogramm zur Verbesserung der Hebammenversorgung: Pilotprojekt vom 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2021, nach Evaluierung Entscheidung über die weitere Vorgehensweise. Konkret: Einrichtung einer Koordinierungsstelle für die Hebammenversorgung in Stadt und Landkreis Regensburg, die Vermittlung von Bereitschaftspauschalen für Hebammen zur Verbesserung der Wochenbettversorgung, die Förderung von Seminaren zum Wiedereinstieg für Hebammen, die Förderung des Externats/des Praktikums bei freiberuflichen Hebammen für die Berufsausbildung, Werbemaßnahmen zur Personalgewinnung

Organisatorische Unterstützung: Hebammenzentralen
Hebammenzentralen bieten organisatorische und personelle Unterstützung bei Verwaltungs- und Vermittlungsaufgaben, Hebammen können dort z.B. freie Kapazitäten melden, und Schwangere haben eine zentrale Anlaufstelle für die Suche nach einer Hebamme. Manche Hebammenzentralen bieten auch direkte persönliche oder telefonische Beratung durch eine Hebamme. Als Netzwerkstelle können sie außerdem durch Kontakte zu Institutionen im Gesundheitsbereich neuen Hebammen den Einstieg erleichtern. Es gibt sie bereits in einigen Städten, im Einzelnen können sie sehr unterschiedlich ausgestaltet sein.
Hebammenzentrale in Trier: in Stadt Trier und der Kreis https://www.volksfreund.de/region/konz/hebammen-kuenftig-hilft-diese-zentrale-in-trier_aid-7163441 Hebammenzentrale für die Region Trier, Stadt gibt 50 000 Euro jährlich; Zentrale ist mit einer Hebamme besetzt, die fachlich fundiert beraten und beurteilen kann, wie dringend Bedarf in konkreten Fällen ist und an eine Fachstelle vermitteln kann
Hebammenzentrale Region Hannover: Kooperation des Niedersächsischen Hebammenverbandes und Pro Familia Niedersachsen, hilft bei der Vermittlung einer freiberuflichen Hebamme. Region stellt dafür von 2019 bis 2021 360.000 Euro bereit. Selbstständige Hebammen können der Zentrale künftig freie Zeiten melden, Hebammen sollten zudem Schwangere persönlich oder telefonisch beraten und über Beratungs- und Betreuungsangebote aufklären.
Hebammenzentrale Oldenburg: an drei Tagen pro Woche koordiniert eine Hebamme die Zentrale; auf einer Homepage für Eltern werden Hebammen mit freien Kapazitäten registriert, werden dort nach freien Monaten und nach den Sprachen, die sie beherrschen, sortiert: https://www.hebammenzentrale-oldenburg.de/
München: Hebammenvermittlungszentrale mit 39 eingetragenen Hebammen https://www.hebammengemeinschaft-vermittlung-muenchen.de/
Düsseldorf: Vermittlung einer Hebamme für die Schwangerenbetreuung/Vorsorge, Geburt und Wochenbettbetreuung; Hebammenzentrale von Stadt finanziert, Vermittlungsangebot für alle Beteiligten kostenfrei. Zurzeit kooperieren ca. 90 freiberufliche Hebammen aus Düsseldorf und dem Umland mit der Zentrale; aufgrund des Hebammenmangels keine Vermittlungsgarantie: http://hebammenzentrale-duesseldorf.de/“
Leonberger Projekt gegen Hebammenmangel: (siehe vorn) im Rahmen dieses Projekts besteht auch die Möglichkeit zur Entlastung bei Finanzierung der Berufshaftpflicht: die Stadt übernimmt die Versicherungsprämie in Form von Darlehen, die Hebamme kann dieses in Raten zurückzahlen (Stand 2016): http://www.hebammen-bw.de/wp-content/uploads/5.1_160614_HebPool_Leonberg_Flyer.pdf

Hebammennotfallversorgung:
Diese Projekte dienen dazu, werdende Mütter zu unterstützen, die keine Hebamme gefunden haben:
Hebammenambulanz Frankfurt: für Frauen, die während oder nach der Schwangerschaft keine Hebamme gefunden haben, initiiert vom Familienzentrum „Monikahaus“: jeden Mittwoch Sprechstunde und Betreuung für Schwangere und Wöchnerinnen; Angebot kann über die Krankenkassen abgerechnet werden. Klientinnen des Familienzentrums, darunter auch geflüchtete Frauen und Migrantinnen, die vor Ort nicht auf ein Netzwerk zurückgreifen könnten und zudem Sprachprobleme haben, sind noch stärker vom Hebammenmangel betroffen. Anbindung der Hebammenambulanz an die Schwangerenberatung, um Bedürfnisse der Frauen rechtzeitig erkannt und Hilfen vermittelt werden: www.skf-frankfurt.de
Hebammennotfallversorgung in Wiesbaden: Konzept wurde unter Mitwirkung der Hebammen, des Frauengesundheitszentrums Sirona e.V. und der Kommunalen Frauenbeauftragten im Rahmen des Runden Tisches Frauengesundheit erstellt; wichtigste Punkte: zwei Hebammen bieten eine offene Sprechstunde an; ergänzend dazu werden auch aufsuchende Nachsorgetermine angeboten. Koordiniert wird das Angebot durch eine Servicestelle, die dienstags und donnerstags zwischen 17 und 19 Uhr per Telefon erreichbar ist.
Offene Hebammensprechstunde Zollernalbkreis: von Schwangerenberatungsstellen des Caritas–Zentrums Ebingen und der Diakonischen Bezirksstelle Balingen gemeinsam mit engagierten Hebammen aus dem Zollernalbkreis ins Leben gerufen; In diese Sprechstunde können Schwangere und Mütter mit ihren Babys kommen, die keine Hebamme gefunden haben, wöchentlich in Balingen, 14-tägig in Ebingen; ohne Anmeldung, der Besuch der Sprechstunde ist für die Mütter; für Fragen wie finanzielle Absicherung oder familienunterstützende Angebote steht Schwangerenberaterin zur Verfügung: http://www.zak.de/artikel/details/430443/Zollernalbkreis-Hebammen-sind-ein-rares-Gut?source=rss